Veränderungsprozesse
in der Schule und die Rolle der Schulleitung
Zentral für den Forschungsansatz ist die Anerkennung der Komplexität der betrachteten Organisationen. Diese wird berücksichtigt, indem nicht nach einfachen Stellschrauben für Veränderungsprozesse gesucht wird, sondern nach zusammenhängenden Faktoren, die den Verlauf von Schulprozessen formen, begleiten, blockieren und verändern können.
Erster Ansatzpunkt ist dabei die schulspezifische Organisationskultur. Dabei sollen sowohl Organisationsklima und Rollenverständnisse als auch der persönliche Gebrauch von Bildern und Metaphern in verschiedenen Gruppen im Fokus stehen, aus denen eine Landkarte der individuellen Wahrnehmungen der Schule geformt werden soll, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten, die Entwicklungspotenziale und Widerstände aufzeigen können. Die für diesen Schritt notwendigen Erhebungsinstrumente werden in mehreren Schritten entwickelt, um so an mehreren Schulen in dem Sinne standardisiert werden zu können, dass das Individuelle vom Allgemeingültigen getrennt werden kann.
Zusätzlich zu einer Exploration des symbolischen Raumes sollen Mikropolitik und Ambiguitäten in der Organisationsstruktur zum Gegenstand der Studie werden. Durch eine Erfassung der Gruppenstruktur mit Kohäsionsschätzung und eine Sammlung der Perspektiven verschiedener Akteure soll die Konfiguration komplettiert werden, vor deren Hintergrund die Rolle der Schulleitung in Veränderungsprozessen beleuchtet werden kann. Der Vergleich von fremden und eigenen Rollenzuschreibungen, sowie der Vergleich von wahrgenommenen und angegebenen Beziehungen und die Berichte von auftretenden oder befürchteten Widerständen sollen Möglichkeiten skizzieren, wie unter Beteiligung der Akteure ein schulspezifisches Modell der Handlungsmöglichkeiten und -grenzen der Schulleitung aufgestellt werden kann. Sind diese Modelle für eine Reihe von Schulen erstellt, kann diskutiert werden, welches Verhalten der Schulleitung kontextspezifisch und kontextübergreifend im Sinne einer von Beteiligten gewünschten Veränderung vorteilhaft ist, und welche Kompetenzen hierfür notwendig oder vorteilhaft sind. Betont wird die wechselseitige und dynamische Beziehung zwischen Verhalten und Organisationskultur, die private und kollektive Formung und Komplettierung des symbolischen Konzeptraums der Schule bzw. das Sensemaking in der wahrgenommenen Umwelt, sowie die komplexitätsbedingte Kontingenz erfolgsträchtiger Einstellungen, Führungsstile und Verhaltensweisen.
Bilder, Metaphern und subjektive Theorien stellen zudem die Landkarten dar, die sich bei der Navigation durch das Territorium der Schule verselbständigen können, und neben ihrer heuristischen Funktion auch als Instanzen der Verzerrung aufgeladen werden können.
Definitionen von Prozessen und Zielen, Konzepte von Projektstrukturen und der Interaktion zwischen Rollen rahmen die Einschätzung persönlicher Möglichkeiten und formen den Verlauf der Prozesse in bedeutsamer Weise mit.
Aus diesem Grund wird im Gegensatz zu anderen Ansätzen eine größere Breite von Beobachtungen für die Studie als relevant betrachtet, die erst in ihrer Vernetzung und gegenseitigen Infragestellung ein vollständigeres Bild des Veränderungsprozesses zeichnen sollen, und zwar buchstäblich wie metaphorisch.